Was ist Erfolg für mich ?


Dieser Artikel entstand im Rahmen des #Autor_innensonntag, bei der Justine_thereadingmermaid wissen will, was Erfolg ist.

Hast du dich schon einmal gefragt, wie du eigentlich Erfolg definierst? Dieser Artikel sollte eigentlich ein einfacher Instagrampost werden. Aber je länger ich darüber nachgedacht habe, desto mehr Fragen hatte ich.

Ich bin an sich niemand, der unbedingt auf dem Siegertreppchen stehen muss. Aber natürlich will ich nicht erfolglos sein oder so von anderen wahrgenommen werden.

Wie definiere ich also Erfolg?

Ich habe versucht, dass in verschiedene Einzelfragen aufzugliedern, weil es für mich ein sehr komplexes Thema ist.

Vielleicht helfen dir diese Denkanstöße auch, dir über deine eigene Definition von Erfolg klarer zu werden.

Erfolg wobei?

Wenn man wie ich eine Scannerpersönlichkeit ist, (wobei ich den Begriff Multipotentialite besser finde) dann hat man ja genügend Dinge, bei denen man potentiell erfolgreich sein könnte.

Oder eben auch viele Bereiche, bei denen man es nicht ist.

Ist es überhaupt in Ordnung, die kleinen Etappensiege zu feiern, die man bei einem neuen Thema zwangsläufig hat?

Oder muss es etwas Großes sein, am besten mit Pokal oder dickem Scheck?

Wenn man das zu Ende denkt, dann hat man also entweder ständig Erfolge oder so gut wie nie.
Die meisten Menschen würden wohl sagen, dass sie einen Erfolg hatten, wenn sie ein Ziel erreicht haben. Also brauche ich für einen Erfolg erst einmal ein sinnvolles Ziel. Das natürlich auch noch smart sein muss, also vor allem messbar und terminiert. Irgendein Ziel ist natürlich auch blöd, es sollte schon sinnvoll sein. Was also ist sinnvoll? Für wen? ⁣
Für mein Ego? Für die nörgelnde Stimme, die ständig sagt, dass ich nicht genug bin und nicht genug habe? Für meine Eltern? Für meinen Chef? Für mich ist ein Ziel dann sinnvoll, wenn ich es aus tiefsten Herzen unterstützen kann und ich mir sicher bin, dass ich mit dem Erreichen keinem schade.

Ein Ziel, bei dem ich latent ein schlechtes Gewissen habe (CO² Ausstoß lässt grüßen), kann nicht sinnvoll sein. Aber oft kann ich es so modifizieren, dass beides erfüllt ist. ⁣
Dann habe ich also ein Ziel, dass smart ist, mein Herz zum Singen bringt und niemanden schadet. Ist dann alles gut? Noch nicht ganz.

Als Scannerpersönlichkeit habe ich leider eine Menge dieser tollen Ziele. Bis jetzt habe ich das gnadenlos durchgezogen. Nur sind meine Ressourcen endlich und ich musste feststellen, dass komplette Erschöpfung kein sinnvolles Ziel ist.


Also noch einmal genau hinschauen. Kann ich das überhaupt schaffen? Und ist es von meinen Zielen wirklich das, dem ich Priorität geben will?⁣
Hier hilft es mir manchmal, den Zeitrahmen zu strecken. Das funktioniert nur bedingt, weil ich bei zu langen Abständen aus dem Tritt komme.⁣ Und ist das dann noch ein Erfolg, wenn ich den gesetzten Termin nicht halten kann? Wenn ich es irgendwann oder vielleicht nie fertig mache?
Sich sinnvolle Ziele zu setzen kann also eine Herausforderung sein. Doch je besser man sich kennt, desto leichter wird es. Wichtig ist auch, die äußeren Einflüsse zu erkennen, die einem falsche Ziele aufs Auge drücken wollen. ⁣

Erfolg wozu?

Gehen wir davon aus, dass ich meine kleinen Schritte als Erfolge definiere. Dann hätte ich also ganz oft ein Erfolgserlebnis.

Aber brauche ich das überhaupt?

Impliziert Erfolg nicht so eine gewisse Ablauflogik, so nach dem Schema: Ich strenge mich an und dann erfolgt ein gutes Ergebnis.

Aber wenn mir die Sache als solches Spaß macht, dann brauche ich keinen Erfolg.

Dass ich im Sommer über den See schwimmen kann, würde ich nur dann als Erfolg werten, wenn ich lange krank war und endlich wieder so trainiert bin, dass ich es schaffe. Im Normalfall ist es mir egal, wie weit oder schnell ich schwimme.

Ich mache das, was mir da gerade guttut, und genieße die Tätigkeit.

Das ist beim Schreiben ähnlich. Diesen Beitrag schreibe ich in erster Linie, weil ich es gerne tue. Ich wüsste gar nicht, welchen Erfolg ich mir hier wünschen sollte. Eine Leserin? 1000? In welchem Zeitraum? Oder ist es schon ein Erfolg, wenn ich ihn so weit bringe, dass ich ihn veröffentlichen kann?

Was ja dann wieder diese kleinen Schritte sind. Ich mache viele Dinge, ohne ein klares Ergebnis vor Augen zu haben. Du siehst also, im Ziele setzen bin ich eher mau. Ich lasse mich gerne von der Tätigkeit zu neuen Ufern führen und dann ist der Weg das Ziel.

Erfolg und dann?

Mir wird schnell langweilig und dann möchte ich etwas Neues lernen.

Dennoch komme ich zu vielen meiner Interessen immer wieder zurück. Das läuft aber eben nicht so, dass ich ein Projekt zu einem Erfolg bringe und dann etwas Neues anfange. Sondern ich habe viele Sachen parallel und je nachdem kommt mal das eine oder das andere in der Prioritätenliste nach oben.

Deadlines sind da schon hilfreich, aber ich versuche meistens, mir da keinen Stress zu machen. Die Vorstellung, für einen Marathon zu trainieren und wenn ich ihn dann geschafft habe, mir eine neue Herausforderung zu suchen, ist mir irgendwie fremd.

Ich will manchmal sehen, ob ich etwas kann (ein Buch herausbringen, z.B.). Doch genau stehe ich dann vor der Frage: Und jetzt? Das gleiche nochmal? Mehr davon verkaufen? Tatsächlich lege ich so ein Projekt dann ohne groß zu feiern auf die Seite und stürze mich in die Dinge, die ich zur Seite geschoben habe.

Erfolg für wen?

Das knüpft an die Frage von oben an: Kann ich einfach selbst entscheiden, was ein Erfolg ist?

Ich sage hier ganz klar ja.

In dem Moment, wo man sich dabei von den Ansichten anderer abhängig macht, kann man nur verlieren.

Ist der 1. Platz in der Regionalliga ein Erfolg, oder muss es der Weltmeistertitel sein? Für jemand mit einer chronischen Krankheit ist der Gang zum Briefkasten ein Erfolg, für alle anderen tägliche Routine.

Wir haben alle unterschiedliche Voraussetzungen und Interessen. Warum sollten unsere Erfolge alle gleich sein?

Ich würde mir wünschen, dass wir weniger irgendwelchen Erfolgen nach hecheln und andere nach deren Trophäen beurteilen. Lasst uns lieber mit Freude am Tun und mit Liebe für unsere Mitmenschen und unsere Umwelt unser Bestes geben.

Wie definierst du Erfolg für dich?

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