Schreibblockade trotz guter Ideen? 5 Gründe, warum es nicht deine Schuld ist.

Schreibblockade trotz guter Ideen? 5 Gründe, warum es nicht deine Schuld ist.


Abstract:
Warum habe ich eine Schreibblockade? Es gibt mehrere Gründe, manche liegen an einem selbst, 5 Gründe sind jedoch strukturell, also durch unsere Gesellschaft entstanden. Dazu gehören:

1.Perfektionismus, der aus einer falschen Fehlerkultur kommt.

2.Die Notwendigkeit, für Suchmaschinen und Algorithmen zu schreiben.

3.Minderheiten werden nicht gelesen, können schlechter veröffentlichen und werden härter kritisiert.

4.Durch Bots und Propagandafarmen dringt dein Content nicht durch, du erlebst Shitstürme.

5.Gatekeeping: Es wird Fachsprache und Fachwissen erwartet, damit man veröffentlichen kann und gelesen wird. Ein anderer Zugang zum Thema ist erschwert.

Fazit: Mit Zusammenhalt und Mut ist es möglich, gegen diese Probleme anzugehen.

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Kennst du das?

Du möchtest einen Social Media Post schreiben, oder jemand bittet dich, einen Artikel für eine Vereinszeitschrift oder eine Homepage zu verfassen.
Eigentlich hättest du tausend Ideen.

Aber wenn du dich dann an den Computer setzt:
Eine leere Seite mit einem blinkenden Cursor, die sich einfach nicht füllt.

Was ist passiert?
Du hast eine Schreibblockade.

Was kannst du gegen eine Schreibblockade tun?

  1. Finde die Gründe dafür heraus.
  2. Entscheide, ob du diese Hindernisse selbst bewältigen kannst.
  3. Falls ja: Leg los.
  4. Falls nein: Hol dir Hilfe, verbünde dich.

Das klingt jetzt zu einfach? Nicht, wenn du einmal hinter die Kulissen geschaut hast.
Finden wir also gemeinsam heraus, warum du vor dem leeren Blatt sitzt.

1.Du willst den Artikel nicht schreiben

Das klingt jetzt nach einem seltsamen Grund.

Denn wenn du das nicht schreiben willst, warum sitzt du dann hier?
Meistens, weil du das Gefühl hast, du musst.

Mein Motto ist ja:
»Ich muss nur sitzen und atmen. Alles andere ist eine Entscheidung.«

Warum also denkst du, du müsstest das jetzt schreiben?

  • Weil du aus irgendwelchen Gründen Sichtbarkeit auf Social Media brauchst. Hier würde ich noch einmal sehr genau hinsehen. »Brauchen« ist eine harte Ansage. Überlege dir gut, ob dein Unterbewusstsein hier nicht die besseren Argumente hat. Mehr zu dem Thema findest du hier: Warum ich Instagram verlasse
  • Weil du es jemanden versprochen hast. Das ist für mich ein legitimer Grund, da ich sehr viel davon halte, Zusagen auch einzuhalten. Ohne diese Verbindlichkeit funktioniert unsere Gesellschaft nicht. Aber dennoch hast du eine Wahl. Wenn du merkst, das Projekt ist so viel komplexer, als du gedacht hast, dann greife auf Punkt 4 der Tipps von oben zu: Hol dir Hilfe, verbünde dich. Frag also erst einmal nach, ob das nicht doch jemand anders erledigen kann und du dafür eine andere, besser passende Aufgabe übernehmen kannst. (Und bitte mach das nicht erst am Tag der Abgabe!). Oder bitte jemanden, der das öfter gemacht hat, dir zu helfen. Notfalls lass den Artikel von KI schreiben und geh dann nochmal so drüber, dass man es nicht merkt. Wichtig aber: Das nächste Mal sagst du nur zu, wenn du dir sicher bist, das dann auch hinzubekommen. Übung macht den Meister, aber sich mit Dingen zu quälen, die einem einfach nicht liegen, kostet Ressourcen, die man anderswo besser einsetzen kann.
  • Weil es dein Job ist. Hier gilt das Gleiche wie oben. Einmal kann man das machen. Aber spätestens, wenn der Inhalt des Artikels mit deinen Wertvorstellungen kollidiert, solltest du dich schleunigst nach einem anderen Job umsehen. Auf die Dauer macht dich das kaputt. Ich weiß, wovon ich spreche. Man kann nicht über längere Zeit seinen inneren Kompass verleugnen, ohne Schaden zu nehmen.

2.Du hältst dich für nicht gut genug (Du kannst es wirklich nicht)

Du denkst, du kannst es nicht.
Schauen wir uns erst einmal die Offensichtliche an: Du kannst es wirklich nicht.

  • Weil du nicht weißt, was von dir genau erwartet wird. Da hilft nur, ähnliche Artikel anzusehen oder nochmal beim Auftraggeber nachzufragen. Das ist immer noch besser, als nichts abzuliefern oder sich fertig zu machen.
  • Weil du fachlich nicht genug Wissen hast. Falls du dir das in einer vernünftigen Zeit und Qualität anlesen kannst, dann mach das. Ansonsten bitte deinen Auftraggeber, dich zu unterstützen oder sage das Projekt ab. Es ist niemandem gedient, wenn die Angaben in dem Beitrag falsch sind oder wichtige Dinge fehlen. Da hilft auch die KI nicht, denn wenn du nicht beurteilen kannst, wann sie anfängt zu halluzinieren, ist der Artikel wertlos.
  • Weil du nicht schreiben kannst. Falls es dir an den Sprachfähigkeiten fehlt, weil Deutsch (oder Englisch) nicht deine Muttersprache ist: Schreib den Artikel in deiner Muttersprache, lass ihn von einem Tool übersetzen und lies ihn dann laut vor. Du wirst die Teile bemerken, die unrund sind. Wenn der Inhalt korrekt ist, du eine gute Gliederung hast und interessante Bilder bietest, dann sollte das reichen. Auch hier: Üben, üben, üben.

3.Du hältst dich für nicht gut genug (Es liegt nicht an dir)

Jetzt kommt der spannendere Fall:
Du könntest es, hältst dich aber für unfähig.
Das kennen wir als »Hochstapler« oder »Imposter« Syndrom. Wir reden uns ein, nicht gut genug zu sein. Und das hat strukturelle Gründe, die nicht an dir liegen.

3.1 Perfektionismus


Wir kommen aus einem Schulsystem, in dem der Fehler als solches das wichtigste Kriterium ist. Alles wird benotet, und nur wer volle Punktzahl hat, hat die Aufgabe korrekt bearbeitet.
Daher sehen wir auch in unserer Arbeit vor allem die Dinge, die nicht perfekt sind. Wir haben ständig vor Augen, dass es ein Zeichen von persönlicher Unfähigkeit ist, Fehler zu machen.

Streng dich mehr an, sei sorgfältiger, steck mehr Mühe hinein!

All diese Ermahnungen schwirren durch unseren Kopf, wenn wir schreiben. Oder eben auch gar nicht anfangen können und eine Schreibblockade entwickeln.
Mein Trick dabei ist, egal ob es sich um eine kurze Mail oder einen Roman handelt: Quick and dirty. Schnell und schlecht schreiben. Hauptsache, die Ideen sind aus dem Kopf.
Bei jedem schwierigen Text sage ich mir: ich zeige das keinem Menschen. Die Mail wird nicht abgeschickt, das Manuskript geht nicht ins Lektorat. Das ist quasi nur eine »Schreibübung«, eine verlängerte Notiz.
Dann ist der innere Kritiker erst Mal ruhig gestellt. Falls er immer noch dazwischenfunkt: Schreib schneller. Hau das Zeug runter. Stell dir eine Stoppuhr. Schau nicht auf Tippfehler, schreib einfach.
Du wirst sehen, dann ist schon mal was da, und das ist meistens (vor allem, wenn du im Thema bist) schon ziemlich gut.

3.2 Suchmaschinenoptimierung und andere Scheußlichkeiten


Wenn Texte heute geschrieben werden, dann immer auch mit dem Hintergedanken, dass sie im Netz performen. Da soll auf Suchintentionen optimiert werden, die Hook muss einen sofort in den Text ziehen, das Ganze darf nicht zu lang und kompliziert sein, sonst liest es ja keiner.


Das steht aber oft im direkten Widerspruch zu den Ansprüchen an einen guten Text. Manche Dinge brauchen eben eine nuancierte, ausführliche Erklärung. Das lässt sich nicht mit ein paar plakativen Sätzen abarbeiten.

Wenn du also für jemanden schreibst, der einen fundierten, gut recherchierten Artikel zu würdigen weißt, die Suchmaschinen (und noch schlimmer, die KI-Zusammenfassungen) das aber nicht an das Publikum ausspielen, dann ist es meistens schon sinnlos, überhaupt anzufangen.
Also sitzt du mit deiner Schreibblockade vor dem Bildschirm und weißt nicht, wo du anfangen sollst.


Mein Tipp hier: Versuche, das eine zu tun und das andere nicht zu lassen. Du kannst also z.B. einen Artikel in deiner Qualität schreiben. Und dann eine Zusammenfassung für die Suchmaschinen und KI an den Anfang setzen. Da kannst du dann wieder auf Tipp 4 zurückgreifen: Hol dir Hilfe, falls du dir unsicher bist.

Schau mal hier: Die Schreibschneiderei

und hier: Jane von Klee
Aber lass deine Schreibqualität nicht darunter leiden.

3.3 Du bist anders


Das Hochstaplersyndrom tritt vor allem bei Frauen, People of color und allen anderen marginalisierten Gruppen auf. Hier ist der Anspruch von außen, perfekt abzuliefern, immens.
Kinder mit ausländischem Namen werden bei gleicher Leistung schlechter benotet, und diese Einschätzung zieht sich auch im Berufsleben durch.


Auch den anderen marginalisierten Gruppen wird ständig mehr oder weniger subtil mitgeteilt, dass sie für weniger kompetent gehalten werden.
Also müssen sie liefern. Es muss der perfekte, aus der Masse herausstechende Artikel sein. Solide Handarbeit genügt nicht.


Hier sind wir als Gesellschaft gefragt. Egal, ob wir der privilegierte deutsche Akademiker sind oder die autistische Frau mit nichtdeutscher Muttersprache: Wir alle müssen uns darum kümmern.

3.4 Die anderen sind lauter


Gerade auf Social Media ist es mittlerweile schwierig geworden, gut zu schreiben. Zum einen muss man ständig fürchten, von den Trollen dort draußen angegriffen zu werden. Die Erregungskultur im Netz kann sich an jedem Wort aufhängen. Das macht Angst, und die ist fürs Schreiben kontraproduktiv.


Vielleicht hast du schon mal einen kleinen Shitstorm erlebt, bist von Leuten für Dinge kritisiert worden, die dir aber wichtig sind. Und nun möchtest du am liebsten gar nichts mehr sagen.


Meine persönliche Meinung hier ist: Gegen die Trollfabriken und den Ki-Müll können wir nicht mehr angehen. Immer mehr Beiträge werden nicht mehr von echten Menschen generiert, sondern von Russland oder anderen Akteuren finanziert und von KI erstellt.
Überlege dir also gut, wo du deine Stimme einsetzt. Lass die Schreibblockade ruhig das Warnzeichen sein, dass du vielleicht weggehen solltest. Gibt es andere Foren, in denen du dich wohler fühlst?


Das heißt jetzt nicht, dass wir alle in unserer Bubble verschwinden sollen. Sondern dass wir geschützte Räume schaffen müssen, in der auch die leisen Meinungen einen Raum bekommen.
Vielleicht kannst du ja mit Gleichgesinnten so einen Raum schaffen. Als Beispiel schau doch mal bei unserer Stadtteilzeitschrift »Take off« oder dem »Schreiberling« vorbei.

3.5 Gatekeeping oder : Du kommst hier nicht rein


Mit dem Aufkommen des Internets, besonders aber den sozialen Medien war ja auch der Gedanke verbunden, dass die Türen zur Öffentlichkeit sich für alle öffnen.
Wir also nicht mehr an einem (weißen, männlichem) Redakteur oder Verlagslektor vorbei müssen, um unsere Sicht der Dinge in die Welt zu tragen.
Das hat sich zum Teil bewahrheitet.
Aber leider sind insbesondere X, You-Tube und alles von Meta nicht frei. Sie gehören mächtigen Männern (!), die damit wieder ihre Vorteile durchsetzen.
Wir erleben also Wahlbeeinflussung, das Unterdrücken kritischer oder maginalisierter Stimmen und eine Flut von Content, der uns in einem andauernden Zustand von Angst und Empörung hält.
Um von vielen gehört zu werden, kann man aber, im Moment zumindest, nicht auf die Präsenz in diesen Medien verzichten. Leider habe ich da für die Masse auch noch keine gute Lösung, ich persönlich versuche aber, hier auszusteigen.

Lass deine Stimme hören!

Es gibt 5 Gründe für deine Schreibblockade, die nichts mit dir zu tun haben.
Wenn du bis hierher gekommen bist, dann bist du eigentlich schon Teil der Lösung. Du hast einen langen Artikel gelesen, der so auf Social Media nicht funktioniert hätte. Und hoffentlich hast du auch ein paar Tipps mitnehmen können oder wenigstens nicht mehr das Gefühl, dass du deiner Blockade hilflos ausgeliefert bist.

Ich hoffe, ich habe dir jetzt Mut gemacht, deine Sicht der Dinge in die Welt zu tragen. Vielleicht kannst du auch andere dazu ermutigen und unterstützen, die es alleine nicht schaffen. Denn jede Sichtweise ist wertvoll.

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Susan ist Soziologin, Dipl.Verwaltungswirtin (FH) und seit vielen Jahren als Autorin aktiv. Als Lilian Dexter schreibt sie Erzählungen, die gesellschaftliche Themen in eine literarische Form bringen – ohne moralischen Zeigefinger, aber mit dem Anspruch, Denkanstöße zu geben. Nebenbei gibt sie Sportstunden und engagiert sich politisch und ehrenamtlich.
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