Soziale Themen im Roman

Soziale Themen im Roman

Wie stehst du zu sozialen Themen in Romanen?

In meinem Roman „Das Frühlingsfenster“ beschreibe ich Familien, die nicht genug Geld haben, um ihren Kindern anständiges Essen zu geben.

Diskriminierung in allen möglichen Formen, Mütter, die trotz kleiner Kinder arbeiten müssen, weil der Mann so schlecht bezahlt wird, dass es nicht zum Leben reicht.

Von alten Menschen, die einsam sind.⁣


Alleinerziehende Mütter, die drei schlechtbezahlte Jobs haben, weil ihr Studium in Deutschland nicht anerkannt wird. ⁣

Das ist offenbar eine Menge, aber mir war wichtig zu zeigen, warum sich meine Protagonistin Lizzy in Gefahr begibt, um das Bürgerzentrum zu retten.⁣

Für manche Leser war das ein bisschen viel.

Aber ich habe jetzt 30 Jahre in der Sozialverwaltung gearbeitet und auch ehrenamtlich viel mit diesen Themen zu tun gehabt und will da nicht wegsehen.

Wir sind alle gut darin, das Elend und die Herausforderungen anderer Menschen auszublenden. Im Fernsehen wird sich in sogenannten Reality-Formaten darüber lustig gemacht, wie Familien in der Armut leben. Es ist so eine Art Gruseln, dass die Zuschauer fesselt. Dieses „das kann mir nicht passieren, so asozial bin ich nicht.

Wir sollen glauben, dass jeder, der arm ist, sich halt nicht genug angestrengt hat. Dass man sich aus seinen Schwierigkeiten schon herausarbeiten kann, wenn man sich ordentlich zusammenreißt.

Doch die bittere Realität ist, dass viele Menschen in unserem Land überhaupt keine Chance haben, aus ihrer Situation herauszukommen. Sie haben Jobs, die gerade so über dem Harz4-Satz liegen. Sie sind krank, egal ob körperlich oder psychisch oder beides.

Sie sind behindert oder gehören einer marginalisierten Gruppe an. Und was das schlimmste ist: Sie haben keine Stimme in unserer Gesellschaft. Das möchte ich ändern.


Ich glaube daran, dass man mit unterhaltsamer Lektüre Menschen dazu bringen kann, über den Tellerrand zu blicken und sich für andere einzusetzen.⁣


Wie siehst du das? ⁣

Warum ich mein Genre liebe

Warum ich mein Genre liebe

Im Rahmen des Autor_innensonntags kam die Frage auf, warum ich mein Genre liebe. ⁣
Das setzt erst einmal voraus, dass ich sagen kann, was mein Genre ist. Das Frühlingsfenster ist auf jeden Fall Urban Fantasy.

Aber es hat auch einen guten Teil Sozialkritik und mir wurde jetzt mehrmals gesagt, es wäre auch ein Thriller. Aber ich bleibe jetzt mal bei Urban Fantasy.

Urban Fantasy: Warum ich sie liebe

Mir gefällt einfach die Vorstellung, dass sich vor meinen Augen eine andere Welt verbirgt, die darauf wartet, entdeckt zu werden. So wie meine Prota langsam erkennt, wer tatsächlich hinter den Angriffen auf ihr geliebtes Bürgerzentrum steckt und auch neue Seiten an sich entdeckt, so liebe ich diese Entdeckungsreise auch in anderen Büchern. Ich lese hauptsächlich solche Geschichten. So bin ich z.B. ein großer Fan der Flüsse von London. ⁣


Liest du lieber High Fantasy oder Urban Fantasy? Oder bleibst du lieber in der realen Welt?⁣

10 Dinge, die ich gerne vor 20 Jahren gewusst hätte

"10 Dinge, die ich gerne vor 20 Jahren gewusst hätte" in schönem Rahmen

Ab einem gewissen Alter sollte man mit seiner Persönlichkeitsentwicklung ein bisschen weiter sein. Hier sind meine 10 Learnings aus den letzten 20 Jahren.

1. Ich muss gar nichts

Wenn ich heute nicht weiß, wo mir der Kopf steht, dann setzte ich mich hin und sage: Ich muss nur sein und atmen. Alles andere ist eine Entscheidung. Wenn ich jetzt wirklich nichts tue, dann hat das Konsequenzen. Und hier fängt meine Freiheit an. Ich kann genau hinsehen und mir überlegen, welche Folgen die jeweilige Handlung hat. Für andere, für mich oder für meinen Körper. Und diese Folgen bewerte ich. Mit meinem eigenen Maßstab, nicht mit dem von außen. Und dann weiß ich meistens, was jetzt das Richtige ist.

2. Schnelligkeit ist kein Wert für sich

Ich war immer stolz, wenn ich etwas noch „schnell“ erledigt habe. Dass ich doppelt so schnell lesen kann wie der Durchschnitt. Wie viel in meinen Tag hineinpasst. Doch das ist kein Qualitätskriterium. Ich bin auch kein besserer Mensch, nur weil mir die Dinge flott von der Hand gehen. Zum einen, weil der Preis hoch ist. Je schneller man etwas macht, desto mehr Fehler passieren, die man dann reparieren muss. Am Ende dauert es dann genauso lang. Oder es lässt sich nicht mehr reparieren. Zum anderen, weil man dann zwar effizient, aber nicht mehr effektiv ist. Man ist den ganzen Tag am Hetzen, aber die Dinge, die wirklich wichtig wären, kommen unter die Räder. Das ist jetzt kein Manifest fürs Trödeln, aber in der Ruhe liegt doch ein wenig von der Kraft. Siehe auch Punkt 1.

3. Die meisten Dinge sind mir tatsächlich egal

Normalerweise ist mein Kopf ständig damit beschäftigt, mir zu erzählen, was alles in meinem Umfeld nicht in Ordnung ist. Und mein System läuft deshalb andauernd in Alarmbereitschaft, weil ich die Probleme ja möglichst lösen soll. Wenn ich aber genau hinsehe und mir überlege, ob das, was da gerade so wichtig erscheint, überhaupt meins ist, dann hat es sich im Normalfall erledigt. Mittlerweile sage ich mir immer, wenn ich innerlich aufspringe: „Und wenn mir das jetzt einfach wurscht wäre?“ Und sehr oft ist es mir das dann auch. Und die Dinge, die dann übrig bleiben, sind mir Herzensangelegenheiten und verdienen all meine Energie und Zuwendung.

4. Man kann ausgeruht sein

Das klingt jetzt komisch, aber ich kannte dieses Gefühl nicht. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es jetzt wirklich kenne.

5. Die meisten Menschen denken überhaupt nicht

Also nicht über mich. Wie oft habe ich mich für etwas entschuldigt, dass dem anderen gar nicht aufgefallen ist. Die Person hat nicht darüber nachgedacht, weil sie mein Verhalten ganz normal findet. Oder es betrifft sie gar nicht. Unter diese Kategorie fallen auch die Flecken auf der Bluse oder die falschen Schuhe. Merken die wenigsten, und wenn, dann ist es ihnen egal. Und wenn sie es doch bemerken, dann ist es mir mittlerweile oft egal. Siehe Punkt 3.

6. Planen ist wichtig, aber nur, wenn man es richtig macht.

Ich neige dazu, kühl und mathematisch tolle Pläne zu erstellen, die ich nur abarbeiten kann, wenn ich den ganzen Tag Vollgas gebe. Ich habe lange immer meinen besten Tag als Maßstab genommen und dann bis zur völligen Erschöpfung Punkt für Punkt erledigt. Heute steht nur das auf dem Plan, was mir wirklich wichtig ist. Was unbedingt getan werden muss, weil ich ein bestimmtes Ergebnis haben oder größere Probleme vermeiden möchte. Und dann bestimme ich nach Tagesform, ob ich noch ein paar Extras dranhänge. Die ich allerdings auch auf einer Liste in meinem Planer habe. Und wenn ich gar keinen Punkt abarbeite, dann ist das auch in Ordnung. An solchen Tagen sitze ich halt nur da und atme.

7. Man findet immer Menschen, die einen glücklich machen

Nach Corona hatte ich das Gefühl, dass ich überhaupt niemanden mehr kenne außerhalb meiner Familie. Selbst mit meinen Nachbarn, mit denen wir jahrelang gefeiert und geratscht haben, hatte ich plötzlich keinen Kontakt mehr. Ich war nur noch im Internet. Da ich im März 2020 die Stelle gewechselt habe, kannte ich nicht mal meine Kollegen persönlich. Ich bin über 50, und überall liest man, dass man da nur schwer neue Freunde findet.

Doch was passiert? Ich gehe ins Fitnessstudio. Meine Bauchtanzlehrerin sitzt vor dem Raum und wir sind beide so glücklich, uns wieder zu sehen, dass wir beschließen, uns auch außerhalb des Studios zu treffen. Ich begleite sie zu ihren Auftritten und wir erleben verrücktes Zeug. Auf dem Weg zu den Veranstaltungen schütten wir uns das Herz aus. Nach ein paar Monaten habe ich das Gefühl, wir würden uns schon ewig kennen.
Im Urlaub beschließe ich, ich möchte andere Schreiberlinge in München kennenlernen. Über Instagram finde ich genau das: »Die Münchner Schreiberlinge«. Ich schreibe sie an und es kommt: »Wenn du spontan bist, wir treffen uns heute Abend.« Ich bin spontan und lerne eine Runde supernetter Menschen kennen. Auch hier fühle ich mich nach kurzer Zeit zu Hause.

8. Ich kann ein Buch schreiben und veröffentlichen

Das wären in 20 Jahren 20. Oder so. Eigentlich habe ich immer gerne geschrieben, aber ich bin nie auf die Idee gekommen, das zu Ende zu bringen. Einen Roman habe ich für meine Kinder geschrieben, aber nie veröffentlicht. Vielleicht mache ich das noch. Immer wieder habe ich zu plotten angefangen, mich in Recherche verloren und doch nie weitergemacht. Aus Angst, aus dem Gefühl heraus, mir die Zeit dafür nicht nehmen zu dürfen und natürlich auch, weil ich komplett mit dem Rest überfordert war. Doch ich bin so glücklich darüber, Autorin zu sein, ich hätte da gerne früher angefangen.

9. Es ist wichtig, sich Dinge zu trauen

Sich zu überwinden und aus seiner Komfortzone raus zu gehen. Sehr wichtig. Aber es ist noch wichtiger, dass man sich darüber klar ist, wie viel Ressourcen das verbraucht. Es lohnt sich also vorher, kurz zu überschlagen, ob man überhaupt fit genug ist, um die Challenge anzunehmen. Oder ob der Alltag schon fordernd genug ist. Auch dumm ist es, wenn man andere über das Wann und wie solcher Herausforderungen entscheiden lässt. Dann muss man sich zwar nicht überwinden, aber ist womöglich völlig überfordert oder scheitert komplett. Wenn du vor einer Sache richtig Angst hast, dann hat das einen Grund. Schau dir das vorher genau an, schließe alle unnötigen Risiken aus und fülle deine Ressourcen auf. Aber lass dich um Himmelswillen nicht davon abhalten, über deinen Schatten zu springen.

10. Meine innere Stimme lügt manchmal

Ich habe eine Stimme in mir, die mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe. Ich habe darauf meistens brav gehört. Doch die wollte mir nichts Gutes. Die kommt aus einer Zeit, die schon lange vorbei ist und geht von einer Realität aus, die es nie gegeben hat. Sie hört auf den Namen Erziehung und Gesellschaft. Sie wird befeuert von Werbung und sonstigen Beeinflussungen. Sie macht mich nicht zu einem besseren Menschen, im Gegenteil, sie lässt die Furie in mir wachsen. Auch die hätte ich gerne schon vor 20 Jahren in ihre Schranken gewiesen.

Aber besser spät als nie. Doch das Wissen ist das eine. Jetzt geht es ans Umsetzen.


Was hättest du gerne früher gewusst?

Wie gehe ich mit Absagen um?

Absagen

Die Frage, wie ich mit Absagen umgehe, ist für mich komplexer, als ich es erst wahrhaben wollte.

Als Selfpublisherin muss ich mich ja nicht mit Verlagsabsagen rumschlagen. (Warum ich Selfpublisherin bin, könnt ihr hier nachlesen.)

Also hatte ich bis jetzt nur Wettbewerbe, bei denen ich nicht gewonnen habe. Dort habe ich aber auch nicht erwartet, dass ich gewinne, ich wollte nur mal sehen, wie das so läuft.

Mein Plan mit diesem Buch war, es bis Weihnachten fertig lektoriert und gedruckt zu haben. Außerdem wollte ich, dass es von einer Person gelesen wird, die ich nicht persönlich kenne. Habe ich erreicht.⁣


Ich versuche möglichst, die Erwartungen am unteren, realistischen Rand zu halten. Wenn ich aber von meinen Büchern leben müsste oder die zumindest kostendeckend sein sollen, dann sieht das schon anders aus. Dann kommt zur Enttäuschung auch noch die Existenzangst. Und ob ich damit umgehen kann, weiß ich wirklich nicht. Da habe ich höchsten Respekt vor allen Profis.⁣


Was die ganze Sache aber so komplex macht:

Jede Absage klingt nach: „Dein Buch taugt nichts, du taugst nichts.

Und damit umzugehen, ist die Königsdisziplin im Leben. Sich seinen inneren Wert auch klarmachen, wenn es Absagen hagelt. Einen realistischen Blick auf sein Können zu behalten. Und da bin ich nur so mittelgut.

Schafft ihr es, weiterzumachen, auch wenn einfach keiner zusagt?

Der Artikel ist im Rahmen des Autor_innensonntag entstanden.

Kurzgeschichte „Aug‘ um Aug‘, Zahn um Zahn“

Weil ich im Urlaub meinen Roman nicht zum Überarbeiten dabei hatte, gibt es jetzt eine kleine Kurzgeschichte für dich. Wie der Titel schon andeutet, ist sie etwas makaber und für alle, die sich von Gewalt getriggert fühlen, eher nicht geeignet.

Kurzgeschichte "Aug' um Aug', Zahn um Zahn

Sie goss vorsichtig den Uzo in das Schnapsglas. Als es halb voll war, füllte sie es mit der Flüssigkeit aus der kleinen Flasche auf. Sie schnupperte. Der Anisgeruch war immer noch durchdringend. Mit geübten Bewegungen deckte sie den Esstisch ein.
Dann ging sie in die Küche, um ihrer Mutter die Schüssel abzunehmen. Sie weigerte sich, die Terrine mit dem Kaninchenbraten zu tragen.
Felix war ihr Trost gewesenen, wenn die Schmerzen nach Vaters Schlägen unerträglich waren. Er hatte ihr Gesellschaft geleistet, wenn sie nicht zu Partys ihrer Freunde durfte. Nun war er der Sonntagsbraten.
Aus ihrem Herz war das Blut genauso getropft wie aus Felix Hals, als ihm ihr Vater den Kopf abgehakt hatte.
Die Familie setzte sich und sprach das Tischgebet. Die Stimme des Mädchens war leise und dünn wie die ihrer Mutter. Aber es war egal, ihr Vater überdröhnte sie sowieso.
Dann füllte die Mutter ihrem Mann den Teller. Anschließend bediente sie sich selbst. Sie reichte den Schöpflöffel an ihre Tochter. Diese nahm sich Knödel und Kraut.
„Iss das Fleisch.“
Ihr Vater sagte es beinahe beiläufig, wohl wissend, dass ihm gehorcht wurde. Doch sie rührte sich nicht.
„Ich habe gesagt, du sollst dir das Fleisch nehmen.“
Sie sah nicht auf, wagte aber auch nicht, den Knödel in ihren Mund zu stecken.
„Bitte Kind, nimm dir wenigstens ein bisschen. Es ist ja schon tot.“
Sie sah ihre Mutter mit Verachtung an. Er war tot. Felix. Ihr Freund. Ihr einziger Freund. Das Flehen ihrer Mama ließ sie kalt.
Die Frauen zuckten zusammen. Ihr Vater war aufgesprungen. Das Geschirr sprang in die Höhe, als er auf den Tisch trommelte.
„Du isst jetzt den verdammten Hasen, oder du kannst was erleben.“
Sie hörte ihre Mutter wimmern. Fünfzehn Jahre lang war das die einzige Reaktion. Nie hatte sie sich zwischen den Berserker und ihr Kind gestellt.
Sie hatte ihm nicht einmal gedroht, ihn zu verlassen. Warum auch. Hier hatte sie außer dem Haushalt nichts zu tun. Und der Mann verdiente ausgezeichnet.
Das Mädchen hätte auf den Reichtum gerne verzichtet.
Der Vater brüllte weiter. „Du nimmst jetzt diese verdammte Kelle, sonst nehme ich sie.“
Ihr war klar, dass er ihr damit nicht den Teller füllen würde. Dennoch sah sie ihm in die Augen und sagte mit fester Stimme: „Ich werde Felix nicht essen.“
„Hör mit diesem Scheiß auf. Das ist ein verdammtes Karnickel, die sind zu Essen da. Hol dir halt ein neues, wenn du noch so ein Baby bist.“
Fasziniert sah sie zu, wie sein Kopf immer röter wurde. Das leere Uzo-Glas schien zu zwinkern. Der Vater versuchte, auf den Tisch zu schlagen, aber er stürzte nach vorne und konnte sich nur mit Mühe abstützen. Sein Atem ging stoßweise und er japste.
Er griff sich an sein Herz und brach dann auf dem Tisch zusammen.
Sie sah dem kleinen Soßenrinnsal zu, das von der umgestoßenen Sauciere auf den Boden tropfte.
Ihre Mutter sprang auf und rüttelte hysterisch an ihrem Mann. „Sag doch was. Bitte, sag etwas.“
Sie sah flehentlich zu ihrer Tochter hinüber.
Doch diese schob sich ungerührt die Gabel in den Mund und verspeiste den Knödel.
Die Mutter tippelte von einem Bein auf das andere, unfähig, eine Entscheidung zu treffen. Wimmernd strich sie ihrem Mann über den Kopf.
Die Tochter aß noch einen Bissen und stand dann auf. Nur gut, dass sie selbst nie erste Hilfe benötigt hatte. Und dass im Garten der alten Nachbarin genug Fingerhut wuchs.
Sie ließ ihre jammernde Mutter alleine und lief zum Tierheim.

Ich hoffe, sie hat dir gefallen. Ich würde dich über deine Meinung in den Kommentaren freuen, schließlich soll es bald wieder eine neue Kurzgeschichte geben.

Falls du mehr von mir lesen willst, hier geht es zu meinem Roman „Das Frühlingsfenster“.

Alles über Lilian Dexter

Alles über Lilian Dexter in einem Rahmen

Vielleicht bist du über meinen Instaaccount hier hergekommen oder wegen des Beitrags zum #Autor_Innensonntag. Und dann davon ausgegangen, von Lilian empfangen zu werden.

Doch ich habe dich mit „Hallo, ich bin Susan“ begrüßt.

Warum die beiden Namen?

Susan ist mein richtiger Name, so steht es auch im Impressum. Aber ich wollte mein Buch nicht unter diesem Namen veröffentlichen.

Das hat mehrere Gründe.

  1. Ich finde meinen Namen tatsächlich schwierig. Wenn man nach meinem Nachnamen googelt (Beer), dann kommt sogar unter den deutschen Seiten hauptsächlich das Getränk. Das ist jetzt nicht das erste, womit ich verbunden werden möchte.

  1. Im Zusammenhang mit meinem Vornamen ist den Leuten nie klar, wie ich auszusprechen bin. Und ich hasse es selbst, wenn ich nicht weiß, ob der Name deutsch oder englisch auszusprechen ist. Mein Leser soll es aber einfach haben.

  1. Ich bin seit Jahren auch in der Politik aktiv, was ich aber nicht mit meinen Romanen vermischen will. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Das sind für mich zwei verschieden Bereiche und ich finde das befreiend, als Lilian einfach Autorin sein zu können.

  1. Der Name ist ziemlich häufig. Ich hatte schon Probleme, mir eine gmx-Adresse zu reservieren. Und als ich geheiratet habe und den Namen ganz frisch hatte, kamen plötzlich lauter Mahnungen und Gerichtsbescheide, weil eine andere Person gerade in Insolvenz ging und meine Adresse die einzig auffindbare war.

Allerdings hat das Ganze auch ein paar Nachteile.

  1. Ich kann die Reichweite, die ich unter meinem eigenen Namen aufgebaut habe, nur schwer für meinen Buchverkauf nutzen. Wenn meine Nachbarin hört, ich hätte ein Buch geschrieben und sie will es lesen, dann sucht sie natürlich erst einmal nicht nach Lilian Dexter.

  1. Die Leserin, die hier auf den Blog kommt, ist erst einmal verwirrt. Hat sie sich verirrt? Darum habe ich auch „Home of Lilian Dexter“ im Titel, um das etwas abzufedern.

  1. Ich bin immer überrascht, wenn ich irgendwo als Lilian angesprochen werden…

  1. Manchmal habe ich eine Identitätskrise.

Wieso nun ausgerechnet „Lilian Dexter“

  1. Es sollte ein eingängiger Name sein, gut zu merken und einfach auszusprechen.

  1. Susan bedeutet „Lilie“. Damit war es nicht so weit zu „Lilian“

  1. Und Dexter? Ich bin unsterblich verliebt in Dexter Vex aus Skulduggery Pleasant.

  1. Der Name in dieser Kombination ist für mich jedes Mal Motivation genug, um meine Fantasie aufs Papier zu bringen.

Passt das Pseudonym zum Buch?

Du kannst dich selbst überzeugen: Hier geht’s zur Leseprobe.

Liebe Grüße Susan

7 Tipps gegen die Schwellenangst

7 Tipps gegen die Schwellenangst
Angst vor der geschlossenen Tür

Hast du Schwellenangst? Doch du möchtest dich für Tierschutz engagieren und es gibt auch einen Tierschutzverein bei dir am Ort? In der Zeitung lädt die örtliche Bürgerinitiative ein, sich Gedanken um die Gestaltung des Platzes vor deinem Fenster zu machen?


Aber du zögerst. Die meisten Vereine und Bürgerinitiativen treffen sich in Gaststätten. Es ist jedoch nicht jedermanns Sache, alleine in ein Lokal zu gehen und nach fremden Menschen zu suchen. Auch im großen Saal im Kulturzentrum fühlst du dich nicht wohl? Du bist dir nicht sicher, ob du dort überhaupt erwünscht bist, ob man da wirklich einfach hingehen kann. Aber das Thema ist dir wichtig. Wäre da nicht die Sache mit der geschlossenen Tür, durch die du irgendwie durch musst.

Hier ein also paar Tipps, wie es trotzdem klappt:

  1. Nimm jemand mit. Ich habe früher immer meine kleine Schwester mitgenommen. Da musste ich zwangsläufig cool sein, schließlich war ich ja dann die Große. Es muss also gar niemand sein, der mutiger ist als du.

  1. Leg dich fest. Wenn du das angekündigt hast, dann ist es schwerer, zu kneifen. Erzähl es deiner Kollegin, deiner Tante, schreib es in deine Insta-Story. Manchmal reicht das schon, um weiter zu kommen.

  1. Mach dich vorher mit den Leuten dort bekannt, frage online nach, wo genau sie sitzen, vielleicht kannst du dich sogar mit jemanden vor der Tür treffen. Viele Vereine haben für so etwas auch extra Ansprechpartner. Schließlich bist du nicht die Einzige, die damit ein Problem hat.

  1. Achte darauf, dass das Treffen als solches keinen Stress macht. Fahr einmal zu dem Lokal, wenn du es noch nicht kennst, nimm dir ausreichend Zeit und lege den Termin nicht auf einen Tag, an dem du sowieso schon am Ende bist. Sie werden sich wieder treffen…

  1. Ähnlich wie 4, aber stärker: Mach alles, was dich entspannt und und dein Selbstbewusstsein hebt. Zieh deine Lieblingsklamotten an (die Schicken, nicht die Jogginghose), iss noch etwas Leckeres, damit du keinen Hunger hast. Sieh zu, dass du ausgeschlafen bist. Vielleicht hörst du auf dem Weg dorthin deine Lieblings- Playlist.

  1. Fang mit einem einfachen Termin an, z.B. ein Tag der offenen Tür im Vereinsheim, bei dem viele Aktivitäten auf dem Gelände sind. Dort kannst du erst einmal herum schlendern und mit jemanden Sympathischen ins Gespräch kommen. Du musst deswegen nicht bei diesem Verein mitmachen, das ist nur zur Übung.

  1. Vergiss nicht: Diese Leute warten auf dich. Selbst wenn sie im ersten Moment reserviert wirken: Wenn sie merken, dass dort jemand ist, der ihre Sache unterstützt, werden sie auftauen. Jede Organisation braucht helfende Hände!

Ich hoffe, der Artikel hat dir geholfen und du findest einen Ort, an dem du dein Talent und ein Interesse einbringen kannst.

Falls du aber das erst mal sacken lassen möchtest und inzwischen etwas über Lizzy und die Attacken auf ihr Bürgerzentrum lesen möchtest:

Titelbild Das Frühlingsfenster
Urban fantasy mit gesellschaftskritischem Ansatz
Das Frühlingsfenster

Wie ich zum Selfpublishing kam

Wie ich zum Selfpublishing kam BOOMBOOMBLOG2022 Lilian Dexter

Ich habe den Roman »Das Frühlingsfenster« im Selfpublishing, also ohne Verlag, herausgebracht. Weil mir so oft die Frage gestellt wurde, wie es dazu kam, liest du hier meine Geschichte. Der Artikel ist im Rahmen der #BOOMBOOMBLOG2022 entstanden, die die liebe Judith von Sympatexter ins Leben gerufen hat.

  1. Ich komme aus einer Familie, die Bücher liebt. Sowohl meine Eltern, als auch meine Oma haben mir regelmäßig vorgelesen.

  1. Eines Tages hatte mir meine Oma meine Lieblingsgeschichte so oft vorgelesen, dass ich sie auswendig konnte. Ich war so stolz darauf, dass ich »lesen« konnte. Also bin ich zu den Nachbarn und habe ihnen vorgelesen.

  1. Es kam, wie es kommen musste: Meine Fantasie war angeregt und ich habe schon als Kindergartenkind eigene Geschichten erzählt. Manchmal habe ich es mit der Unterscheidung zwischen Wahrheit und Fantasie auch nicht so genau genommen und Erlebnisse ausgeschmückt. In meiner Familie hieß das dann immer: Susans Märchenstunde
  1. In meiner Schulzeit und Jugend konnte man sich mich eigentlich gar nicht ohne Buch vorstellen. Ich habe alles gelesen, egal ob Romane oder Fremdwörterbücher, ob Zeitung oder Plattenbooklets. Geschrieben habe ich in dieser Zeit interessanterweise aber Gedichte. An die richtigen Geschichten habe ich mich nicht ran getraut.
Susan als Baby vor der Schreibmaschine
Ich schreibe meine erste Geschichte

  1. Schließlich sollte ich mich dann der Berufswahl stellen. Für mich stand fest, das muss was mit Büchern werden. Also habe ich mich munter als Verlagskauffrau beworben und auch tatsächlich einen Ausbildungsplatz bekommen. Aber dann siegte, wie so oft in meinem Leben, das Sicherheitsbedürfnis und ich wurde Beamtin.

  1. In der darauffolgenden Zeit habe ich nichts Literarisches mehr gemacht. Ich habe noch einmal studiert, meine Diplomarbeit musste ich zweimal schreiben (Baby und Studium ist doch nicht so einfach). Für unser Stadtviertelmagazin verfasste ich eine Reihe von Artikeln und auch sonst war ich die Auftragsschreiberin für alle meine Ehrenämter.

  1. Irgendwann bin ich dann über einen Kurzgeschichten-Wettbewerb gestolpert und habe überlegt, ob ich da teilnehmen sollte. Ohne irgendeine Ahnung wollte ich da nicht ran, also bin ich in die Buchhandlung und habe mir einen Schreibratgeber gekauft. (Wie man einen verdammt guten Roman schreibt). Dann festgestellt, dass ich keine Kurzgeschichte schreiben möchte. Und für den großen Roman hat mir die Zeit und der Mut gefehlt.

  1. Meine Kinder wurden größer und die Idee des Romanschreibens spukte weiter in meinem Kopf. Dann kam Papyrus in mein Leben. Irgendwie hat mich das so begeistert und die Investition musste ja wieder reinkommen. Ich habe als weiter Schreibratgeber gelesen und in der Schreibwerkstatt von Jackie mitgemacht. Am Ende stand ein kleiner Roman, den meine Familie toll fand, der aber nicht mehr als ein friedliches Plätzchen auf Wattpatt fand.
  1. Lange war ich dann mit meinen anderen Interessen und Ehrenämtern so angefüllt, dass das Schreiben in den Hintergrund ging. Die Selbstzweifel und die Frage, ob ich mir wirklich so viel Zeit für mich nehmen will, haben alle Romanideen nie über die erste Recherche kommen lassen. Eine Plot-Idee hat mich aber die ganze Zeit verfolgt.

  1. Wie bei so vielen war dann der Lockdown der Moment, der mich wieder ins Schreiben gebracht hat. Zunächst stand ich da mit meiner Idee, die aber irgendwie nicht zünden wollte. Erst als ich aus der eigentlichen Hauptfigur eine Nebenfigur gemacht habe und die Geschichte aus der Perspektive einer anderen Protagonistin geschrieben habe, wurde es ein Ganzes.

Titelblid Das Frühlingsfenster
  1. Anfang 2021 saß ich da mit einer Rohfassung. Die hätte ich jetzt wieder auf Wattpatt versenken können. Aber diesmal wollte ich das nicht. Die Geschichte war mir zu wertvoll. Aber Verlage und Agenten anschreiben ist mühsam und ich wollte nicht an Deadlines oder Vorgaben gebunden sein, die ich vielleicht nicht erfüllen konnte. Ich wollte in meinem eigenen Tempo arbeiten. Gerade hatte ich einen Burn out überwunden, das sollte nicht noch einmal passieren. Und so kam ich dann zum Selfpublishing. Das ist auch viel Arbeit und kostet Nerven (und Geld!). Aber ich hatte ein super Team und am Ende war mein Ziel erreicht: Ich konnte meiner Familie mein Buch unter den Christbaum legen.
  1. Jetzt, im Mai 2022 schreibe ich an der Fortsetzung und möchte auch diese wieder im Selfpublishing herausbringen. Mittlerweile bin ich Mitglied im Selfpublisherverband und habe einiges beim ersten Buch gelernt, was ich nun besser machen möchte.

Jetzt weißt du, wie das Frühlingsfenster das Licht der Welt erblickt hat. Wie ist das bei dir? Hast du schon mal etwas veröffentlicht oder könntest du dir vorstellen, es zu tun? Wenn du möchtest, teile deine Erfahrungen in den Kommentaren und oder stelle mir eine Frage.

#AUTOR_INNENSONNTAG

Irgendwann bin ich über Justines Instagram-Account gestolpert und habe mir dann den Planer gekauft. Sie hat ihn mir liebevoll eingepackt mit einem hübschen Bild geschickt (Den Planer und das Bild siehst du auf dem Foto).

Bild des Planers von #Autor_innensonntag und einer Zeichnung von Justine the reading mermaid mit einem Hund als Robbe
Planer

Im Grunde hat mir das meine Angst vor der geschlossenen Tür genommen. Weil mir bis dahin nicht klar war, dass man tatsächlich einfach unter einem bestimmten Hashtag posten darf.

Jetzt versuche ich, jede Woche dabei zu sein, und wenigstens eine Kleinigkeit zum Thema beizutragen.

Du findest in dieser Kategorie also meine Instaposts, wobei ich den einen oder anderen Beitrag hier auch etwas ausführlicher gestalte.

Viel Spaß dabei.

17 Gründe, sich ehrenamtlich zu engagieren

Irgendwer hat dir gesagt, du sollst dich ehrenamtlich engagieren. Oder es wäre hilfreich für dein Netzwerk. Und ja, eigentlich möchtest du ja schon gerne Gutes tun. Aber so richtig überzeugt bist du nicht. Also schiebst du es immer vor dir her. Vielleicht kann ich dich hier davon überzeugen, dass es auf jeden Fall einen Versuch wert ist.

1. Du lernst neue Leute kennen

Wir haben zwar das Gefühl, durch das Internet mit der ganzen Welt verbunden zu sein. Dennoch steigt die Zahl derer, die sich einsam fühlen. Oder du hast viele Freunde und Bekannte, aber die sind alle aus deiner eigenen Bubble. Egal aus welchem Grund, es tut immer gut, neue Leute kennen zu lernen. Man erweitert seinen Horizont und im ehrenamtlichen Umfeld schaut man aufeinander. Und das Thema Netzwerken erledigt sich quasi von alleine.

2. Du lernst dich selbst kennen

Wir leben in einem Alltag, in dem wir uns mehr oder weniger gut auskennen. Für deinen Job hast du eine Ausbildung gemacht. Deine Hobbys hast du danach ausgesucht, ob zu dir passen. Doch wenn du in einem Verein tätig wirst, stellst du möglicherweise fest, dass du ein Organisationstalent bist. Oder deine Stärke in der Betreuung von aufgedrehten Kindern liegt. Und selbst falls du hier bemerkst, dass genau das nicht deins ist: Nirgends sonst hast du so eine tolle Möglichkeit, dich auszuprobieren. Wenn es dir nicht entspricht, dann machst du halt was anderes. Du musst deinen Job nicht dafür kündigen.

3. Du lernst neue Fähigkeiten

Das ergibt sich quasi aus Punkt 2. Ich habe im Ehrenamt gelernt, Reden zu halten und zu moderieren. Durch meine Sportstunden hat sich das Lampenfieber von ganz alleine reduziert. Wenn man jede Woche zweimal vor einer Gruppe steht, dann gewöhnt man sich irgendwann daran. Vor allem, weil man regelmäßig gutes Feedback bekommt. Und ja, man lernt auch, mit Kritik umzugehen. Irgendwer motzt immer rum. Aber dadurch, dass in einem Verein im Normalfall ein gutes Gemeinschaftsgefühl herrscht, wirst du mit dem Kritiker nicht alleine gelassen.

4. Du gibst deinem Leben einen Sinn

Ich habe gelesen, dass Reiche keine sozialen Dinge tun müssen, weil sie auch ohne Berufung glücklich sind. Da ich nicht reich bin (und es auch nicht sein will) kann ich das nicht beurteilen. Aber für den Rest der Welt ist es nachgewiesen, dass ein Sinn im Leben gut für die Psyche ist. Gerade Menschen, die in Rente gegangen sind, haben durch ein Ehrenamt einen Grund, morgens aufzustehen. Aber auch bei sinnlosen Brotjobs macht es den Alltag schöner, wenn man nebenher etwas Gutes tun kann.

5. Du erlebst Sachen, die sonst keiner sieht.

Ich war eine Zeit lang Sprecherin eines Arbeitskreises, der die sozialen Institutionen unseres Viertels vernetzt hat. Die Treffen waren jedes Mal in einer anderen Einrichtung und einmal auch in der örtlichen Polizeiinspektion. Dort wurde uns die Zelle gezeigt und wir durften da kurz hineingehen. Bei einer weiteren Tätigkeit habe ich eine Übung der Flughafenfeuerwehr und eine Führung durch die Bühnen- und Technikbereiche von Theater und Oper miterlebt. Das sind alles spannende Momente gewesen, die ich sonst nie gehabt hätte.

6. Du kannst Geld verdienen

Das ist nicht das Erste, was man bei einem Ehrenamt erwarten darf. Viele Dinge sind tatsächlich unentgeltlich, und wenn, dann wird eine geringe Aufwandsentschädigung gezahlt. Es kann keinen regulär bezahlten Job ersetzen, aber es ist interessant, falls man z.B. wegen Kinderbetreuung nicht arbeiten kann oder will. Ein paar Stunden in der Woche als Übungsleiter bedeutet Fitness und ein kleines Taschengeld. Und falls man die Turnriege betreut, in der das eigene Kind ist, dann heißt das unter Umständen auch, dass man dem Kind etwas bieten kann, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen.

7. Du kannst Ansehen erwerben

»It’s nice to be important, but it’s more important to be nice« das Zitat von Scooter ist natürlich richtig, aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Und manchmal tut es dem Ego einfach gut, wenn man das Gefühl hat, wichtig zu sein. Beim Klassentreffen kann man mit dem einen oder anderen Titel auch bei der »mein Auto, mein Haus, meine Yacht« Typen punkten. Und hat noch ein gutes Gewissen dabei.

8. Du wirst das Gefühl der Selbstwirksamkeit haben

Das Gegenteil von Macht ist Ohnmacht. Wenn man sich engagiert, dann verändert man etwas. Im Normalfall ja Dinge, die man so nicht haben will. Der Dienst im Tierheim verringert Tierleid, die Leitung einer Seniorensportgruppe hilft den alten Leuten, ihre Gesundheit und damit ihre Selbstständigkeit und Lebensfreude aufrecht zu halten. Wer Nachhilfe im Nachbarschaftszentrum gibt, verschafft Kindern einen guten Start ins Leben. In der Psychologie nennt man das auch Selbstwirksamkeit und ist etwas, was für unsere mentale Gesundheit sehr wichtig ist.

9. Du verstehst, wie unsere Gesellschaft funktioniert (das, was man nicht in der Schule lernt)

Ich möchte jetzt gar nicht damit anfangen, dass man in der Schule weder lernt, seine Steuererklärung zu machen, noch wie man einen Verein gründet. Aber die Erkenntnisse, die man aus dem Maschinenraum der Gesellschaft bekommt, ist für mich einer der wichtigen Gründe, warum ich gerne ehrenamtlich tätig bin. Am Stammtisch sagt es sich leicht. »Man müsste mal…«, »Die Politiker sollten einfach…«. Bist du aber selbst in der Materie und versuchst, etwas zu ändern, dann werden dir die Strukturen bewusst und du hältst deine einfache Lösung plötzlich nicht mehr für so toll. Oder umgekehrt, du weißt jetzt, welche Fäden du ziehen musst, damit deine Idee Realität wird.

10. Du bekommst die Chance, Ängste zu überwinden und aus der Komfortzone zu kommen. Im Ehrenamt ist unperfekt die Norm

Der Unterschied zwischen Profi und Amateur ist nicht nur, dass der Profi seinen Lebensunterhalt damit verdient. Sondern auch der Anspruch, dass sie vorher die Fähigkeiten erwirbt, um ihren Job zu machen. Im Ehrenamt ist es eher umgekehrt. Da ist eine Tätigkeit zu erledigen und die Person, die es sich am ehesten zutraut, macht es dann. Natürlich gibt es auch hier Ausbildungen. Übungsleiterinnen brauchen eine Lizenz, Jugendleiter die Jugendleiterausbildung und ein erweitertes Führungszeugnis. Aber bei beiden kann man erst mal reinschnuppern, eine Gruppenleitung unterstützen. Im Normalfall wechselt man vom Schüler zum Lehrer, wenn man lange genug dabei ist. All das macht es einem leichter, aus seiner Komfortzone heraus zu kommen und sich eben mal vor die Gruppe zu stellen, statt sich in der letzten Reihe zu verstecken. Ich kenne viele, die von ihrer Trainerin sanft dazu überredet wurden, die Ausbildungen zu machen und ihren Job zu übernehmen. Davor hätte jeder von ihnen geschworen, er kann das nicht.

11. Du wirst vielleicht deinen Traumjob oder deine Berufung finden

Das ist dann die Konsequenz von oben. Du machst einen Übungsleiterschein, stehst vor der Gruppe und stellst fest, dass dir das Spaß macht. Also bildest du dich weiter. Irgendwann gibst du so viele Stunden, dass für deinen langweiligen Bürojob keine Zeit mehr bleibt. Du machst dich selbstständig und hast deinen Traumjob gefunden. Es kann auch sein, dass du beim Kontakt mit den Vertreterinnen der Stadt auf ein gutes Jobangebot hingewiesen wirst, weil die dringend einen neuen Kollegen suchen.

12. Du wirst cool vor den eigenen Kindern dastehen

Ich habe im letzten Wahlkampf eine Rede im Festzelt gehalten. Das war das erste Mal, dass mich meine Kinder bei so etwas erlebt haben. Das Erlebnis, dass sie in Ehrfurcht erstarren, hat man bei Teenagern ja sonst nicht so oft.

13. Du wirst Infos bekommen, die du sonst nicht hättest

Natürlich kann man sich heute im Internet über was auch immer informieren. Aber wie ich es oben schon mit dem Jobangebot anklingen lassen habe, manchmal findet man die wichtigen Dinge halt nicht online. Nicht alles ist digital, vieles geht über eingeschliffene Kanäle. Und wäre es nicht gut, da auch dabei zu sein? Letztlich ist das Vereinsleben und die Lokalpolitik die Gesellschaft, die das Leben in unserem Land ausmacht. Und ja, es macht natürlich Arbeit und ist anstrengender als Netflix zu Bingen. Aber wie heißt es so schön: Besser dabei sein als nur Zuschauerin im eigenen Leben.

14. Du willst doch nicht die Kohlen im Keller zu putzen

Stichwort Langeweile. Wer kennt es nicht: Da kommt das Wochenende, das Wetter ist so mittel und von den Freunden hat auch keiner Zeit. Du willst aber etwas anderes tun, als nur vor der Glotze zu hängen. Also wird geputzt und geräumt und aussortiert. Wenn man das lange genug gemacht hat, dann tut man das, was ich als die Kohlen im Keller putzen kenne: eigentlich vollkommen sinnloses Zeug. Wäre es da nicht besser, mit den Kumpels vom Verein endlich mal das Vereinsheim neu zu dekorieren oder bei den Pfadfindern das Material für fit für das nächste Lager zu machen? Absacker nach getaner Arbeit inklusive.

15. Du wirst als Trainerin den inneren Schweinehund überwinden

Die einfachste Art, sich für regelmäßigen Sport zu motivieren, ist die Leitung einer Gruppe. Da brauchst du schon eine sehr gute Begründung, um nicht hinzugehen. Kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen.

16. Du bekommst eine Tagesstruktur

Das ist eher ein Thema für Menschen, die nicht (mehr) im Berufsleben stehen. Wenn jeder Tag gleich abläuft und man selbst für seine Termine zuständig ist, dann hilft es, regelmäßig einer Tätigkeit nachzugehen. Dann gerät man nicht in endloses Getrödel, weil man ja rechtzeitig zum Vorlesen im Kindergarten da sein muss oder das Bürgerzentrum die Vorstandssitzung angesetzt hat. Ein nachgewiesenes Instrument gegen Demenz und Depressionen, v.a. im Alter.

17. Du hast das Gefühl, etwas Gutes zu tun

Das ist mein letzter Punkt. Natürlich ist es das Erste, was die meisten mit Ehrenamt verbinden. Aber ich wollte euch hier zeigen, dass man keine Heilige sein muss, um damit anzufangen. Es geht nicht darum, zu entscheiden, ob man seine Zeit und Energie für sich oder für andere aufwendet. Sondern dass beides geht. Solange man nicht über seine Grenzen geht und die eigenen, nötigen Bedürfnisse ignoriert, ist soziales Engagement eine win-win-Situation.

Ich hoffe, ich habe Dich jetzt ein bisschen auf den Geschmack gebracht. Aber falls dein Akku leer ist oder du das jetzt erst mal sacken lassen möchtest, kannst du dich inzwischen in einem Fantasyroman mit dem Thema beschäftigen.

Titelblid Das Frühlingsfenster

Im Roman »Das Frühlingsfenster« habe ich meine Erfahrungen in eine spannende Geschichte rund um Lizzy und ihren Job im Bürgerzentrum eingebracht. Viel Spaß beim Lesen.