10 Gründe, warum jede Autorin Kurzgeschichten schreiben sollte

10 Gründe, warum jede Autorin Kurzgeschichten schreiben sollte

Für viele sind Kurzgeschichten ja keine „richtigen“ Geschichten, sie lieben den 400-Seiten-Wälzer und als Autorin werde ich auch eher gefragt, wie viele Bücher ich schon veröffentlicht habe.

Trotzdem finde ich das Schreiben von Kurzgeschichten wichtig und hilfreich. Und es macht definitiv auch Spaß. Also schau rein, vielleicht bist du hinterher auch Kurzgeschichten-Fan.

Neues Genre, neue Inspiration

Selbst wenn du dein Lieblingsgenre schon gefunden hast, und dir nichts anderes vorstellen kannst als Krimis- ein neues Genre kann den Schreibprozess beflügeln.

Probiere eine Liebesgeschichte aus, oder lass deine Figuren im Mittelalter ermitteln. Das führt oft dazu, dass deine Kreativität einen Schub bekommt und dadurch dein »normales« Schreiben bunter und spannender wird.

Oder du stellst fest, dass deine Nische die Grenze zweier Genres ist. So kann dich als Fantasy-Autorin ein Ausflug in die Liebesgeschichten zur Romantasy bringen.

Und am allerbesten: Schreib eine Kurzgeschichte in einem Genre, dass du gar nicht magst. Gib dir wirklich Mühe, alle Vorgaben zu erfüllen. Selbst wenn du es furchtbar findest: Die Pflicht, trotz der »falschen« Umgebung eine Geschichte zu verfassen, die nach dir klingt, wird dir in zukünftigen Projekten helfen, auch die schwierigen Textpassagen souverän zu meistern.

Figuren kennenlernen, bevor der Roman steht

Kurzgeschichten sind ja oft etwas, was man so »zwischendurch« schreibt. Vielleicht hast du schon ein Romanprojekt in Arbeit und willst noch schnell an einer Ausschreibung teilnehmen.

Dann nütze das, um dich mit den Charakteren deines eigentlichen Projekts bekannt zu machen. Du kannst sie in eine kritische Situation werfen und sehen, was sie zu bieten haben. Oder du lässt die Kontraenden aufeinandertreffen und schauen, welche Taktiken sie verwenden.

Bei einer Kurzgeschichte hast du nicht die Möglichkeit, durch die Backstory oder andere Szenen zu deinem Charakter hinzuführen. Er muss in dieser kurzen Sequenz unverwechselbar werden.

Natürlich arbeiten wir hier nicht mit ausgefeilten Persönlichkeiten, sondern eher mit bestimmten Typen. Aber genau das hilft dir, die Funktion dieser Figur präzise zu definieren. Mach das ein paar Mal, und du hast ein Grundgerüst an Personen für deinen Roman, die jede für sich eine eigene Charakteristik haben.

Ich habe das z.B. in der Kurzgeschichte »Der zukünftige Kaiser« gemacht. Du bekommst sie, wenn du dich bei meinem Newsletter anmeldest.

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Du hast nicht mehrere Handlungsstränge, die du im Blick haben musst

Gerade wenn man Romane schreibt, bei denen die Handlung verwickelt sein muss, um die Spannung aufrecht zu halten (ich denke hier vor allem an Krimis), dann ist eine Menge Arbeit abseits vom eigentlichen Schreiben nötig.

Da muss geplottet werden, du brauchst Notizen, um später wieder auf bestimmte Szenen oder Gegenstände zurückkommen zu können.

Das ist ein Teil des Spaßes, aber manchmal will man nur schreiben. Und da ist eine Kurzgeschichte mit einem überschaubaren Figurenpool und einem einzigen Handlungsstrang erfrischend.

Du hast eine Idee und legst los. Das kann auch eine Schreibblockade lösen, die man bei einem größeren Projekt früher oder später immer hat.

Oder du haderst mit einer Figur, dann wären wir wieder bei Grund Nummer zwei.

Deinen Stil und Sprache trainieren: in der Kürze liegt die Würze

Gerade im Fantasy-Genre ergehen sich viele Schreibende in endlosen Szenarien. Alles wird bis ins Detail ausgemalt und die Figuren halten lyrische Monologe. Bei der Überarbeitung steht man dann vor der Mammutaufgabe, das Ganze auf einen lesbaren Text zurückzustutzen.

Aber ebenso wie das Scheiben selbst, muss man auch diesen Überarbeitungsprozess immer wieder üben.

Und das gelingt am besten, in dem man sich einen kurzen Text vornimmt, und diesen auf alle relevanten Punkte abklopft. Bei fünf Seiten kann man gründlich sein, ohne das Gefühl zu haben, nie fertig zu werden. Du lernst deine Lieblingsfehler kennen und gute Lösungen dafür. Vielleicht leistest du dir ein professionelles Lektorat, dann hast du wirklich etwas gelernt.

die Essenz Geschichte erkennen und die Leserschaft schnell ins Boot holen

Eine Kurzgeschichte hat nur ein paar Seiten Zeit, um sich zu entfalten. Die Lesenden müssen im Grunde ab dem ersten Absatz wissen, was hier passiert und wer die Figuren sind.

Bei Youtube-Videos nennt man das den Hook. Den Haken, der das Publikum einfangen soll. Aufmerksamkeit ist eine rare Ressource, die wir nur bekommen, wenn wir gleich in den ersten Sekunden signalisieren: Hier wird es spannend, das lohnt sich!

Bei einer Kurzgeschichte musst du den Kern des Konflikts klar benennen können, deine Figuren müssen mit wenigen Worten charakterisiert sein und die Tonlage der Story sofort erkennbar sein. Wenn das nicht klappt, dann ist es keine Geschichte. Du hast nicht 100 Seiten Zeit, deine Leserschaft in diese Welt zu führen.

Aber Spoiler: Das hast du auch bei einem Roman nicht. Funktioniert die erste Seite nicht als Hook, dann wird das Buch nicht gelesen. Das klingt grausam. Doch die Realität ist nun einmal, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist und unzählige Angebote um unsere Aufmerksamkeit buhlen. Du könntest jetzt also übungshalber etliche erste Romanseiten schreiben. Oder eben Kurzgeschichten.

Qualität testen bei Ausschreibungen

Du hast noch nie etwas veröffentlicht und außer deiner besten Freundin hat auch niemand was von dir gelesen?

Bist du denn überhaupt schon bereit für das »richtige« Schreiben?

Du könntest jetzt einen Schreibkurs machen oder dir eine Lektorin leisten, um Feedback zu bekommen.

Oder du nimmst an Ausschreibungen teil. Dort erhältst du im Falle einer Absage zwar keine Info, warum du nicht genommen wurdest. (Es kann z.B. auch sein, dass deine Geschichte einfach nicht zum Rest gepasst hat).

Aber es ist eine leichtere und billigere Methode, in den Markt zu kommen, als mit einem Exposé von Verlag zu Agentin zu rennen und zu versuchen, einen Verlagsvertrag zu bekommen. Kannst du schon ein paar Veröffentlichungen vorweisen, dann wirst du auch eher angehört, als wenn du eine absolute Anfängerin bist.

Plot-Ideen auf Roman-Potenzial prüfen

Wir haben ja alle diese süßen kleinen Plotbunnys. Also Ideen für Geschichten, die noch nicht reif für einen Roman sind.

Mir hilft es dann, einfach eine besonders Verlockende zu nehmen und erst einmal eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Meistens zeigt sich sehr schnell, ob da noch Potential ist. Mag ich diese Figuren oder geht das Feedback der Testlesenden in Richtung: »Mehr davon«? Dann überlege ich, daraus doch einen Roman zu machen.

Meine Novelle »Drachenfeuer und Meeresglut« war ursprünglich eine Kurzgeschichte.

Drachenfeuer und Meeresglut Cover

Kleine Projekte für zwischendurch

Ich finde es ziemlich schwierig, wieder in eine Geschichte hineinzufinden, wenn man länger keine Zeit zum Schreiben hat. Außerdem möchte man ja auch einmal etwas Fertiges in den Händen halten. Dann ist es hilfreich, Kurzgeschichten zu scheiben. Die schafft man in zwei Wochen Ferien, selbst wenn man nicht nur am Computer sitzt.

Leichter Testlesende finden

Die Geschichten, die die Schreiberlinge produzieren, liebe ich. Da bin ich gerne Testleserin mit ausführlichem Kommentar und Verbesserungsvorschlägen. Aber auch meine Zeit ist begrenzt und wenn es dann eine Deadline gibt, kann ich nicht immer guten Gewissens zusagen. Einer Kurzgeschichte hingegen geht trotzdem. Die schafft man mit wenig Zeit einmal durchzulesen.

Und so finde ich umgekehrt eher Testlesende, wenn ich mit einer Kurzgeschichte ankomme. Für einen Roman muss ich das rechtzeitig anfragen und mehrere Wochen einplanen, bis ich das Feedback bekomme. Bei Leuten, die meine Schreiberei noch nicht kennen, kann ich nicht gleich mit 400 Seiten ins Haus fallen.

Eine Kurzgeschichte ist also auch hier der Einstieg, um dir eine Gruppe von Testlesenden aufzubauen, auf die du dann zurückgreifen kannst. Im Idealfall sind das Autorinnen und ihr arbeitet auf Gegenseitigkeit.

Es ist billiger im Selfpubishing als ein ganzes Buch.

Du möchtest endlich veröffentlichen. Abgesehen von den Möglichkeiten, an Ausschreibungen teilzunehmen (s. Punkt 6), sind weniger Umfang einfacher und günstiger zu publizieren als ein 400-Seiten-Buch.

Das Lektorat und Korrektorat wird pro Seite abgerechnet. Ein Roman kostet dich da gerne mal 2000 Euro oder mehr. Die Druckkosten sind höher und so musst du zum einen in Vorleistung gehen, ohne zu wissen, ob du das Geld jemals wieder siehst.

Eine Kurzgeschichte hingegen kannst du relativ günstig veröffentlichen. Du könntest sie ganz einfach auf deiner Homepage verkaufen oder über Amazon oder Tolino Media. Und selbst wenn du das nicht nur als E-Book, sondern auch gedruckt haben willst, ist eine kleine Auflage keine Großinvestition.

Fazit:

Kurzgeschichten sind wie ein Fitnesstraining fürs Schreiben: schnell abgeschlossen, und ideal, um Neues auszuprobieren. Sie helfen dir, Figuren zu schärfen und deine Sprache zu straffen. Und das Beste: Du hast in kurzer Zeit ein fertiges Werk, das gelesen oder sogar veröffentlicht werden kann – ohne monatelange Schreibmarathons.

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Susan ist Soziologin, Dipl.Verwaltungswirtin (FH) und seit vielen Jahren als Autorin aktiv. Als Lilian Dexter schreibt sie Erzählungen, die gesellschaftliche Themen in eine literarische Form bringen – ohne moralischen Zeigefinger, aber mit dem Anspruch, Denkanstöße zu geben. Nebenbei gibt sie Sportstunden und engagiert sich politisch und ehrenamtlich.
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